Paganini meets Emmental

(Text: Unter Emmentaler, 31. Mai 2014, Regula Jost)

Die Brass Band Emmental (BBE) spielte in der Mehrzweckhalle Grünenmatt zum Jahreskonzert auf. Unter der Leitung von Heinz Heiniger studierten die Musikerinnen und Musiker der BBE ein abwechslungsreiches Konzertprogramm ein. Die grösste Aufmerksamkeit genoss das Stück «Paganini Variations» von Philip Wilby, welches auch das Konzertprogramm zierte.

Göttlich tönte es aus allen Ecken. Das Corner-Register errichtete sich rings ums Korps als Festung, um dem Stück «Intrada - Ein' Feste Burg» alle Aufmerksamkeit zu schenken. Mit wuchtigen Kadenzen ertönten die ersten Klänge. Auch die sanften, schon fast choraligen Töne kamen beim Stück von Ray Parr nicht zu kurz.

«Vom Göttlichen zum Teuflischen», mit diesen Worten stimmte Moderator Bernhard Augstburger das nächste Stück ein. Mit «Harlequin», einem Euphoniumsolo von Philip Sparke, setzte sich der Solist Jakob Kulke in Szene. Mit den bekannten Melodien konnte er das Publikum rasch in seinen Bann ziehen. Die Tempowechsel des zweiten Teils wurden vom Publikum bestaunt. Mit einem wuchtigen Marsch von Stephan Jäggi, dem «Gruss an das Worblental», präsentierte sich die BBE traditionell schweizerisch.

Paganini-Superstar

«Man kann immer nur ein Instrument gut spielen und gemeinsam mit anderen klingt es am schönsten.» Dieses Zitat stammt vom Italiener Niccolo Paganini. Dieser war zu seiner Zeit der führende und berühmteste Geigenvirtuose. Sein äusseres Erscheinungsbild und seine brillante Spieltechnik machten ihn bereits zu Lebzeiten zu einer Legende. Philip Wilby packte - basierend auf dem «Capriccio Nr. 24» von Paganini - alle unterschiedlichen Facetten dieser vielschichtigen Persönlichkeit in Noten. Als ein in der Höchstklasse taxiertes Stück forderte es von jedem Einzelnen alles ab.

Nach der Pause und dem Schätzwettbewerb ging es klangvoll und spektakulär weiter. Visionen, Vorstellungen anregen, dies war das Ziel, welches Stefan Kurzo beim Konzept zu «Visions» gehabt hat. Mit Mario Bürki wurde zusätzlich ein zweiter Komponist ins Boot geholt. Nicht nur die Instrumente ertönten geheimnisvoll. Die Bläserinnen und Bläser schufen mit ihren Stimmen und der dunklen Beleuchtung einen mystischen Teppich für diverse Solisten des Korps.

Erfolg für Martin Gerber

Der Flügelhornist Martin Gerber konnte sich beim «Concierto de Aranjuez», arrangiert von Kevin Bolton, so richtig in Szene setzen. Den Kennern der Brass-Szene ist dieses Stück sicherlich bestens bekannt aus dem Film «Brassed off» aus dem Jahre 1996. Für die Kinder im Publikum oder auch für die «Kindgebliebenen» bot die Brass Band ebenfalls etwas. Beispielsweise mit «Hook» aus dem Film Peter Pan oder «The Muppet Show Theme».

Als letztes Stück kündete Bernhard Augstburger den holländischen Evergreen «Rood» an. Stellen Sie sich vor, Kuno Lauener mit «Züri West» oder Büne Huber mit «Patent Ochsner» würden ein Konzert geben, und es würden so viele Karten verkauft, dass das Konzert fünfmal das Stade de Suisse in Bern füllen würde. Das entspricht etwa dem, was der holländische Superstar Marco Borsato mit «Rood» und weiteren Songs vor einigen Jahren in den Niederlanden geschafft hat. Die Brass Band Emmental konnte am Samstagabend die Mehrzweckhalle in Grünenmatt zum Beben bringen. Nach einem grossen Applaus verabschiedeten sich die Musikerinnen und Musiker mit zwei Zugaben beim zahlreich erschienenen Publikum.