Bericht aus der Berner Zeitung vom 16.März 2010 (Text: Kathrin Schneider)

Zwei Vereine mit jungen, motivierten Musikantinnen und Musikanten wagen ein gemeinsames Projekt: Das Kammerorchester Incanto und die Brass Band Emmental spielen zusammen Mussorgski und Schostakowitsch.

«Wir werden uns noch finden», verspricht Dirigent Heinz Heiniger den Musikantinnen und Musikanten im Probelokal in Oberburg. Es ist Sonntag, und nach einem gemeinsamen Mittagessen sind die jungen Leute in die Bärenturnhalle zurückgekehrt. Auf dem Programm steht Mussorgskis «Bilder einer Ausstellung». Die Stimmung bei der Probe ist sehr gut. «Lebhaft, schwungvoll, wild», übersetzt Heiniger die Vorstellungen des Komponisten. Er hat nicht nur einen, sondern gleich zwei Vereine vor sich: die Brass Band Emmental und das Kammerorchester Incanto aus Langenthal. Sie üben für einen gemeinsamen Auftritt mit Werken von Mussorgsky und Schostakowitsch. Die Bläser und die Streicher geben ihr Bestes, diszipliniert folgen sie den Anweisungen ihres Dirigenten.

Die dritte Gesamtprobe

Dies ist erst die dritte gemeinsame Probe. Dank der Professionalität der Musiker ist das jedoch kein Problem. Seit Januar haben die zwei Formationen getrennt geübt. Jetzt ist es wichtig, aufeinander zu hören und rhythmische Absprachen zu treffen. «Entstanden ist die Idee zu einem gemeinsamen Projekt vor drei Jahren», erinnert sich Peter Grogg, der Präsident der Brass Band Emmental. Einerseits seien beide Dirigenten Lehrer in der Musikschule Langenthal. Andererseits sei der Kontakt durch Familie Heiniger aus Dürrenroth entstanden: «Drei Brüder spielen entweder im Kammerorchester oder in der Brass Band». Lea Meier, Präsidentin von Incanto, erinnert sich an die Bedenken, die einige Mitglieder am Anfang äusserten: «Sind die Stücke nicht zu schwierig?», oder «Wie sieht es mit dem Aufwand aus?» Von diesen Befürchtungen ist nichts mehr zu spüren: Bläser und Streicher agieren motiviert und unkompliziert. Heinz Heiniger gibt die letzten Direktiven: «Achtung, nicht schon sieben Takte vor Schluss mit Höchstdynamik», warnt er die Musiker. Nach der Pause wird Kammerorchester-Dirigent Christoph Weibel die Jazz-Suite von Schostakowitsch einstudieren. Die Stücke mussten von den Dirigenten zum Teil selber arrangiert werden, da passende Partituren für das grosse Ensemble aus Streichern und Bläsern fehlten.

Bereits jetzt ein Erfolg

Meier und Grogg sind selber überrascht, wie sich die «Kulturen» und Klangwelten der zwei verschiedenen Orchesterformationen in diesem Projekt vereinigten. Nun hoffen sie auf ausverkaufte Konzerte im April. «Wir sind gespannt, wie es dem Publikum gefällt», sagt Lea Meier. «Und je nachdem könnte man die Zusammenarbeit ja in zwei, drei Jahren wieder aufnehmen?»